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Neue Stories: EROTISCHE GESCHICHTEN Rubrik: Neue Storys - Titel: So kann es nicht weitergehen Non-Erotik
 
Inhaltsangabe:
Wieder denke ich über die problematische Zusammensetzung unserer Gruppe nach. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass auf Dauer vier Frauen und nur zwei Männer miteinander leben können. Ich habe ein ungutes Gefühl. Zusätzlich ist unsere augenblickliche finanzielle Lage sehr angespannt. Hoffentlich geht alles gut.


Geschichtenanfang:

Das vergangene Wochenende gibt mir reichlich zu denken. Obwohl Nathalie nun fest zu uns gehört, verschärft sich aus meiner Sicht das Problem, dass die Zusammensetzung der Gruppe ziemlich problematisch ist: Zwei Männer - vier Frauen. Ich glaube nicht, dass das auf die Dauer reibungslos funktionieren wird. Es hört sich zwar verrückt an, aber ein weiterer Mann würde uns gut zu Gesicht stehen.
Doch bevor ich über dieses Thema gründlich nachdenken kann, passiert etwas, was mich voll und ganz in Anspruch nimmt. Ein starker Sturm entwurzelt einen Baum, der sehr nahe an unserem Haus steht und zu allem Überfluss so halb auf das Dach stürzt. Der starke Regen, der damit einhergeht, setzt in kürzester Zeit die Hälfte des Obergeschosses unter Wasser... super, wir waren ja auch gerade fertig geworden...
Nachdem ich die Versicherung von diesem Vorfall unterrichtet habe, versuchen wir den Baum mit dem Trecker unseres Nachbarn vom Haus wegzuziehen. Doch die blöden Äste verhaken sich so, dass wir noch größeren Schaden anrichten. Kurzerhand kappen wir die Krone mit der Kettensäge, wodurch dann der restliche Stamm schön an der Hauswand herunterrutscht und auch noch den Putz abreißt... warum auch nicht, hätte ja klappen können...
Auf jeden Fall bekommen wir nun die Baumkrone vom Dach und werfen provisorisch eine große Plane über die zerstörte Dachfläche. Der Gutachter, den die Versicherung tagsdrauf schickt, meint ganz trocken, dass man den kompletten Dachstuhl erneuern müsste, da die tragenden Balken zu stark beschädigt seien und Einsturzgefahr bestehe.
„Sehr schön“, raunt Thomas, der sich aufgrund des Vorfalls Urlaub genommen hat und mir gegenüber am Tisch sitzt, „und was sollen wir jetzt machen? Der Winter steht vor der Tür. Wenn wir jetzt das Dach komplett machen lassen und dann noch Frost einsetzt haben wir die absolute Arschkarte.“
„So kann es aber auch nicht bleiben“, zuckt Sasu mit den Schultern. „Ich habe keine Lust, dass uns das Dach auf den Kopf fällt. Du hast doch gehört, was der Gutachter gesagt hat.“
Es bleibt uns keine andere Wahl. Wir rufen einen Dachdecker an, den wir nach seiner Meinung fragen. Dieser Mann macht uns dann endgültig fertig, denn, bevor er anfangen kann, brauchen wir auch noch eine neue statische Berechnung, da das komplette Dach erneuert werden muss.
Jedoch hat das Ganze auch eine gute Seite, denn der Statiker meint, wenn wir sowieso alles neu machen müssen, könnte man die Dachform so verändern, dass oben mehr Platz entsteht. Wir könnten es so konzipieren, dass wir auf der Rückseite des Hauses das Dach in der Neigung verändern, wodurch dann entschieden mehr Stehhöhe zur Verfügung stände. Das brächte so an die 20 qm mehr nutzbare Fläche. Allerdings brauchten wir dann noch einen Architekten und müssten beim Bauamt einen Bauantrag stellen.
Wieder zurück zu Hause entbrennt eine neue Diskussion.
„Mehr Platz ist immer gut“, freut sich Crissy.
„Du glaubst doch nicht, dass die Versicherung alles übernimmt“, schüttele ich den Kopf.
„Woher sollen wir das zusätzliche Geld nehmen?“
Lange Rede – kurzer Sinn: Wir holen uns für beide Varianten Kostenvoranschläge. Der Neuumbau würde uns im Gegensatz zum Wiederherstellen des ursprünglichen Zustands demnach ca. 18.000 Euro zusätzlich kosten.
„18.000 Euro für lumpige zwanzig Quadratmeter – das ist Irrsinn“, kriege ich mich gar nicht mehr ein. „Selbst wenn wir das Geld hätten, würde ich das nicht tun.“
„Nur gut, dass du das nicht alleine zu entscheiden hast“, habe ich gleich den Rest der Meute gegen mich.
Ich rege mich so auf, dass ich einfach vom Tisch aufstehe und die Anderen dumm sitzen lasse.
... die spinnen doch. Keiner von uns ist gut bei Kasse, und die wollen noch ausbauen. Auf jeden Fall lasse ich mir jetzt den Doofen angehen. Sollen sie doch sehen, wie sie damit fertig werden. Ich bin dagegen und basta. Außerdem bin ich blank und schon froh, wenn ich das Geld für die jetzigen Raten zusammen kriege...
So brüte ich allein in unserem Zimmer vor mich hin. Ich überlege hin und her, aber eine weitere finanzielle Belastung kann ich mir einfach nicht leisten. Plötzlich klopft es an der Tür. Es ist Wananee, die fragt, ob sie reinkommen kann.
„Ja“, brumme ich vor mich hin.
„Bevor du jetzt etwas sagst, hör mir zu“, stoppt sie mich gleich.
„Also, was habt ihr vor“, ergebe ich mich.
„Wir bauen auf jeden Fall um“, setzt sie mich vor vollendete Tatsachen. „Wir stocken den Kredit auf und dann klappt es.“
„Klar, wir stocken einfach den Kredit auf, logisch. Und die höheren Raten verdienen wir, indem wir jede Woche Lotto spielen“, halte ich das Ganze für absolut hirnrissig.
„Wir haben auf jeden Fall einen Termin bei der Bank gemacht. Es ist schon morgen, und es wäre schön, wenn du mitkommen würdest“, lässt sie sich nicht beirren.
Da ich davon ausgehe, dass uns die Bank den Kredit sowieso nicht bewilligt, stimme ich zu. Ich bin gespannt, wie sie mit der Enttäuschung fertig werden. Realistisch betrachtet, sehe ich nicht die geringste Chance, zumal sich die Banker im Moment sowieso etwas zurückhalten.
Doch es kommt anders.
Am nächsten Tag bin ich derjenige, der blöd guckt, denn der Bankmensch meint, da es sich um so viele Schuldner handelt, sei das Risiko für die Bank verhältnismäßig klein.
Nachdem ich mich von dem Gehörten erholt habe, muss ich in mich hinein grinsen, denn der Idiot kennt meine Geschäftszahlen von diesem Jahr noch nicht. Wenn er die hätte, würde sich sein Optimismus in Grenzen halten... sein Bier...
Nichtsdestotrotz sehe ich für mich keine Chance, gegen die höheren Raten anzukommen. Aber die Anderen haben es ja nicht anders gewollt.
So kehren alle frohgelaunt, mit Ausnahme von mir, nach Hause zurück.
„Komm schon, Kai, das schaffen wir“, will mich Crissy aufmuntern.
„Du vielleicht... ich nicht“, schüttele ich den Kopf. „Ich stehe jetzt schon in den Miesen und meine Auftragslage brauche ich dir ja wohl nicht schildern.“
„Du siehst einfach zu schwarz“, rückt Sasu an mich heran, „wenn du es einen Monat mal nicht schaffst, ist das doch nicht so schlimm. Wenn es dir dann besser geht, zahlst du nach.“
„Klar, ich lebe auf eure Knochen“, werde ich noch wütender. „Sicher, ihr lasst mich dann mit sein, den armen Kai. Wisst ihr eigentlich, wie ich mir vorkomme?“
Alle versuchen mich zu besänftigen, doch mit der Situation kann ich nicht leben. Ich habe mich noch nie aushalten lassen, und das soll auch so bleiben.
Ich komme mir plötzlich irgendwie in der Situation gefangen vor. Sie stellen mich vor eine unlösbare Aufgabe.
Betreten schauen sich meine Freunde an. Ihre finanzielle Lage ist entschieden besser als meine. Von Thomas weiß ich, dass er sogar noch Rücklagen hat. Sie haben alle gute Jobs, doch ich bin selbstständig und auf meine Kunden angewiesen, die momentan aber auch gar nichts machen und einfach alles abwarten. Doch vom Abwarten kann ich nicht leben – so einfach ist das.
Ich merke, dass es keinen Sinn macht, meinen Freunden das zu erklären. Sie sind voller Euphorie und richten das neue Dachgeschoss in Gedanken schon ein.
So sehr wir uns auch in mancher Beziehung gleichen, jetzt fehlt ihnen jegliches Verständnis für meine Position. Sie merken nicht, dass sie mich in die Ecke drücken, womit sie extremen Druck auf mich ausüben.
In den nächsten Tagen versuche ich noch intensiver als sonst neue Aufträge zu bekommen. Ich gehe mit der Brechstange ran und lasse mich auf fast jeden Preis ein, den ich mir im Nachhinein auch noch schön rechne. Zum ersten Mal vernachlässige ich das kaufmännische Denken und hoffe, dass es irgendwie klappen wird. Ich bin so von der Idee besessen, es aus eigener Kraft zu schaffen, dass ich von jetzt auf jetzt den intensiven Kontakt zu den Anderen verliere. Ich sehe nur noch die übermächtige Aufgabe, die ich bewältigen muss. Bis auf das gemeinsame Frühstück sehe ich den Rest meiner Mitbewohner kaum.
Ständig sitze ich im Wagen und unterbreite meinen Kunden neue Angebote, biete kostenlos Zusatzleistungen an, wobei ich Himmel und Hölle in Bewegung setze. Der Kreislauf, in den ich so hinein gerate, birgt eine riesige Gefahr, die ich aber gar nicht erkenne.
Ich sondere mich ab und beginne, nur noch für mich zu denken.
Eines Abends komme ich so gegen halb neun völlig geschafft nach Hause. Die Anderen sitzen zusammen vor dem Fernsehen. Platt wie eine Briefmarke gehe ich zum Kühlschrank und hole mir ein Joghurt heraus.
„Was ist mit dir“, erschreckt mich plötzlich Wananee.
„Was soll sein, ich arbeite viel“, erwidere ich müde.
„Kommst du gleich noch zu uns“, fragt sie leise.
„Heute nicht. Ich gehe nur noch duschen und lege mich hin“, lehne ich mich erschöpft in den Stuhl.
Ich bemerke nicht, dass Wananee nicht weiter darauf eingeht. Leise kehrt sie zu den Anderen zurück.
Ehrlich gesagt bin ich froh, meine Ruhe zu haben. Als ich die Treppe zum Bad hinaufgehe, wundere ich mich, dass mitten im Flur ein Stützpfeiler steht... Mann, da steht ja noch einer...
Jetzt bin ich aber doch neugierig und gehe wieder nach unten.
„Was sollen die Pfeiler da oben“, frage ich in die Runde.
„Ach so, wir haben dir doch gestern schon gesagt, dass die Handwerker das Dach bis zum Frühjahr gesichert haben. Sie fangen dann erst mit dem Umbau an“, klärt mich Thomas auf.
„Ah ja“, bin ich mir sicher, dass mir niemand etwas davon erzählt hat.
„Kommst du morgen mit einkaufen“, will Sasu wissen.
„Wieso morgen, da habe ich einen Termin“, blicke ich sie fragend an.
„Was... am Samstag“, staunt sie.
„Wie... morgen ist Samstag“, blicke ich verdutzt auf die Datumsanzeige auf meiner Uhr.
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, gehe ich zu meinem Aktenkoffer und hole den Terminplaner hervor.
... Scheiße, die haben recht, morgen ist tatsächlich Samstag. Nee, da habe ich keinen Termin. Mensch, ich kriege auch gar nichts mehr auf die Reihe’, registriere ich, dass ich absolut das Zeitgefühl verloren habe.
„Kai, Kai...“, bemerke ich jetzt erst, dass die Anderen zu mir gekommen sind. „So geht das nicht weiter mit dir. Du ackerst wie ein Verrückter und bekommst nichts mehr mit. Was ist los mit dir?“
„Weiß ich auch nicht“, stütze ich meinen Kopf in die Hände. „Ich schaffe es nicht, ich schaffe es einfach nicht“, beginne ich zu weinen. „Ihr könnt mich bei der Finanzierung vergessen, ich muss ausziehen.“
Plötzlich bricht der ganze Frust mit Macht aus mir hervor. Haltlos fange ich zu heulen an... ich bin am Ende. Ich habe alles versucht, doch es geht nicht. Ich bin ein Versager...
Ausgerechnet jetzt kommt Nathalie herein.
Aus verheulten Augen sehe ich sie an:
„Na, hast du dir Kai so vorgestellt? Er ist ein Versager auf ganzer Linie, ein Schaumschläger, der nicht alleine für sich sorgen kann.“
Meine Nerven liegen blank.
„Trink das“, stellt mir Sasu einen Whisky hin.
„Das hilft auch nicht“, greife ich trotzdem zum Glas... bah, wie der brennt...
„Komm mit“, zieht mich Thomas hoch.
Völlig willenlos lasse ich mich von ihm ins Wohnzimmer verfrachten.
„Jetzt erzähle mal in aller Ruhe“, wagt Crissy einen Vorstoß.
„Da gibt es nichts Großartiges zu erzählen. Ich schaffe es einfach nicht. Bevor das mit dem Dach passiert ist, habe ich mir schon überlegt, ob ich nicht etwas anderes machen soll. Meine alte Branche gibt nichts mehr her. Doch dadurch, dass ihr noch den zusätzlichen Kredit aufgenommen habt, habe ich nichts riskiert und versucht, doch noch was zu reißen... aber es klappt nicht. Versteht ihr... ich bin mehr oder weniger pleite.“
Ich genehmige mir noch einen Whisky.
„Und was wolltest du Neues ausprobieren“, hakt Thomas nach.
„Ah, das war nur eine fixe Idee...“, schaue ich in das Glas.
„Was denn jetzt“, lässt er nicht locker.
„Wäre auch nur ein Versuch gewesen“, will ich es einfach nicht sagen.
„Mensch, sage es endlich“, wird nun auch Wananee ungehalten.
„Ich wollte ein Buch schreiben, neben meiner normalen Tätigkeit.“
„Was wolltest du“, fragt jetzt Nathalie, die sich bisher aus allem herausgehalten hat.
„Ja, ich wollte meine erotischen Geschichten als Buch herausbringen. Wäre mit Sicherheit kein Kassenschlager geworden, aber Kleinvieh macht auch Mist“, verteidige ich mich.
„Ich will dir ja nichts, aber das ist wirklich voll daneben“, winkt Sasu ab. „Da musst du erst mal investieren... und wie willst du es dann an den Mann bringen?“
„Über die Seite“, werde ich immer leiser.
„Wie kommst du denn auf die Idee? Da stehen die Geschichten doch schon... wer sollte dann noch das Buch kaufen“, schüttelt mein Freund den Kopf.
„Viele wollen aber ein Buch. Ich habe schon Anfragen per Mail bekommen“, versuche ich einen zaghaften Protest.
„Löse dich von dem Gedanken! Die paar Leser würden noch nicht einmal die Produktionskosten decken. Das war wirklich kein guter Gedanke“, stimmt auch Wananee zu.
„Und was soll ich sonst machen? Ich war bis auf meine Ausbildung immer selbstständig. Wer würde mich nehmen und das bei der Arbeitslage... kein Mensch. Ich habe das schon bei einigen Kunden durchblicken lassen... sie schütteln nur mit dem Kopf, vergiss es. Und bedenkt, ich bin nicht mehr der Jüngste. Du musst heute Mitte zwanzig sein und dann zehn Jahre Berufserfahrung mitbringen. Ich habe da echt keine Chance. Das kann ich mir abschminken.“
„Vielleicht hake ich mal bei uns in der Firma nach“, überlegt Thomas.
„Sicher, Pharma, das ist genau mein Ding. Mach dir nichts vor, die nehmen nur Leute aus der Branche.“
„Uns wird schon was einfallen“, merkt Crissy, dass ich mit meinen Äußerungen recht habe. „Lass dir keine grauen Haare wachsen!“
Obwohl ich keinen Schritt weiter bin als vorher, geht es mir besser. Ich musste den ganzen Mist einfach loswerden.
„Warum hast du uns nichts gesagt“, flüstert mir Sasu ins Ohr.
„Ich wollte euch nicht beunruhigen. Ihr wart so von der Idee des Umbaus besessen, dass ich nicht als Spielverderber dastehen wollte.“
„So, Wochenende... anderes Thema“, lächelt Nathalie, die sich auch schon ein Glas geholt hat. „Was trinkst du da eigentlich? Gib mir auch mal einen!“
Ich muss schmunzeln.
„Nur zu, schenke dir selbst ein... nicht das du nachher sagst, ich wollte dich betrunken machen.“
Mein Outing hat mich ganz schön Kraft gekostet. Etwas erleichtert lehne ich mich an Wananee, die zu meiner Linken sitzt. Ganz sanft krault sie in meinen Haaren. Es ist so schön beruhigend.
So nach und nach fällt alles von mir ab. Mehr oder weniger halbherzig höre ich der Unterhaltung der Anderen zu... ich bin nur noch müde und ausgebrannt.
„Seid mir nicht böse, aber ich gehe schlafen“, wuchte ich mich vom Sofa hoch.
„Soll ich mitkommen“, fragt Wananee.
„Nein, ist schon gut. Es geht mir besser“, bedanke ich mich mit einem Küsschen für das Angebot.
„Lass den Kopf nicht hängen! Morgen sieht alles besser aus“, tröstet mich Thomas, als ich die Treppe hinaufgehe.
Ich wüsste zwar nicht warum, aber das ist mir jetzt auch egal – ich will nur noch schlafen. Auf die Dusche verzichtend, lasse ich mich ins Bett fallen und sinke augenblicklich in einen tiefen Schlaf.



 
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